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Out of Uppen

Der Teufel ist ein Eichhörnchen

Mittwoch, November 07, 2007

Zeitumstellung

Schon das Schild sieht heute anders aus.
"Südbahnhof".
Ein roter Streifen zieht sich quer durch das Wort. Nagellack? Könnte Chanel sein... An der Rolltreppe hat sich ein Banker mit seinem Mahagonigriff-Regenschirm in der Rolltreppe verkeilt, weitere Banker werden gnadenlos von den aufsteigenden Stufen gegen ihn gepresst, fallen, zerkratzen sich ihre Lederschuhe an den Rillen der Stufen. Ich kämpfe mich durch die homogene Masse aus grau und schwarz durch das Vestibül. Am Zeitschriftenstand steht kein Ständer mehr. Ein mutiger Manager versucht, die letzten unversehrten Ausgaben der Wirtschaftswoche über seinen Kopf haltend zu retten. Wie ein Papierschiffchen im Rinnstein treibt er dahin. Ein neuer Schwall Anzugträger ergießt sich über die Stufen des Fernbahnsteigs. Routiniert schwingt ein Macher unter ihnen seine Mobility-BahnCard 100 gezielt gegen Achillessehnen und mäht sich so den Weg durch die überkuppelte Halle. Aus den Augenwinkeln erkenne ich eine Gruppe von Jung-Werbern, die aus ihren American Apparel-Schals eine Rettungskette gebildet haben. Sie sind clever, sie werden es schaffen.
Für einen Moment verrutschen meine Kopfhörer und eine grausame Mischung aus Denglish, Gala-Gerüchten und Finanzsprech dringt an mein Ohr.
Direkt neben mir rauft sich ein weiterer Banker die grau-melierten Schläfen, sein Drei-Tage-Bart spricht Bände. Schließlich kommt ihm die rettende Idee. Er greift zu seiner Fitness-Company-Tasche und schlägt sich mit weiten Schwüngen, auf die sein persönlicher Golf-Trainer stolz sein kann, einen Weg durch den Rush Hour.
Ich folge ihm unauffällig.
Kurz vor dem Ausgang stockt es dann noch einmal abrupt. Eine Horde weiblicher Banker ist mit ihren Schuhen, Marke modisch auslaufender Breitabsatz in den Gummi-Matten vor den Türen stecken geblieben. Hätten sie besser auf die In-Style gehört und sich für Keilabsätze entschieden. Ich drücke mich zum zweiten Ausgang durch - ich kann das Licht schon sehen! Doch dann komme ich ins Straucheln, als ich über einen großen Gegenstand am Boden stolpere.
Ein Jung-Banker. Er atmet nicht mehr. Um seinen Hals schlingt sich verdächtig eng das weiße Kopfhörer-Kabel seines iPods.
Morgen früh fahre ich wieder später zur Arbeit.

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4 Comments:

Blogger jalapeñjo on a stick said...

"Sie sind clever, sie werden es schaffen."

(:

07 November, 2007 09:45  
Anonymous Jörn said...

Oder ginge es vielleicht auch ohne Zug? Ich bin derzeit z. B. mittelschwer von Busfahren begeistert. Auch nicht gerade günstig, aber da ist zumindest nicht so viel los. ;)

07 November, 2007 13:42  
Anonymous Zmivv said...

Oh, was eine gute Beschreibung meiner letzten Tage.

Frollein Ninifaye, kann man Sie auch elektro-postalisch erreichen?
Hab da mal eine Anfrage.

07 November, 2007 17:45  
Blogger Ninifaye said...

Si claro.
schoenschreiber at googlemail punkt com
Anfragen Montags bis Freitags von 09:00 bis 18:00 Uhr.

07 November, 2007 18:04  

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